Häufig liest man in Foren oder bei Facebook wie sogenannte Anfängerfehler in Form von Bildkritiken thematisiert werden. Nicht immer kommt es mir so vor, als wenn diese Kritiken ausschließlich dazu dienen dem angehenden Fotografen auf einen rechten Weg zu verhelfen. Ich frage mich also, inwieweit solche Kommentare und Diskussionen für den Spaß an der Fotografie förderlich sind.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich meine Werke nicht öffentlich der Kritik zur Schaue stelle, würde ich mich in der Rolle des Anfängers eher ausgegrenzt fühlen anstatt motiviert sich zu verbessern. Eventuell bin ich bei diesem Thema etwas sensibel. Wer jedenfalls das Thema Anfängerfehler aufgreift sollte besser eine solide Meinung darüber haben. Lesen Sie also weiter.

Erst vor einigen Tagen habe ich gelesen, dass das fotografieren im Automatikmodus ein typischer Anfängerfehler sein soll. Ich bin da gar nicht der Meinung. Auch wenn ich immer empfehle die Kamera auch im Manuellen Modus beherrschen zu können, bedeutet es nicht, dass die Verwendung des Automatikmodus grundsätzlich ein Anfängerfehler ist.

Automatisch einfach Gold wert

DSC_0018Jeder Fotograf, ob Hobby oder Beruf, hat bereits Situationen erfahren in denen der Automatikmodus Gold wert war. Er half rasch den richtigen Moment einzufangen ohne großartig an der Belichtungszeit oder ISO schrauben zu müssen. Verteufeln Sie den Automatikmodus daher nicht direkt! Besonders Einsteiger profitieren von ihm und können sich so voll und ganz auf das Modell und den Bildausschnitt konzentrieren ohne direkt von den Einstellungen überfordert zu sein. Wobei es anzumerken gibt, dass aktuelle Kameras alle mit einem großartigen Automatikmodus ausgestattet sind.

Benutzt du deinen Kopf?

Ein weiterer sogenannter Anfängerfehler ist das Fotografieren ohne dabei nachzudenken. Doch wie viel denkt man denn eigentlich nach? Und was ist Intuition und was Erfahrung? Ich jedenfalls denke nicht sehr viel nach und würde es auf keinen Fall als Anfängerfehler bezeichnen. Wer zu lange nachdenkt hat eventuell bereits den richtigen Moment zum abdrücken verpasst und ein Bild wäre gar nicht erst entstanden. Und sein wir mal ehrlich. Jeder Fotograf hat nach einem Shooting immer einige Bilder die er aussortieren muss weil sie falsch belichtet oder unscharf sind. Das ist vollkommen normal. Der bekannte Fotograf Helmut Newton hat einst gesagt: „Die ersten 10.000 Aufnahmen sind die schlechtesten.“
Als Fotograf entwickelt man sich nach jedem Shooting weiter. Sie lernen sehen und werden selbst kritischer was Ihre eigenen Bilder angeht. Auch die Bilder anderer Fotografen helfen dabei und werden nach einiger Weiterentwicklungszeit ganz anders wahrgenommen als noch vor Monaten. Darin liegt bei mir der Reiz. Weitermachen und besser werden. Einstige Idole sind auch nur Menschen und kochen ebenfalls mit Wasser. Auch Sie können gute Bilder erstellen. Tasten Sie sich also mit jeder Aufnahme an den Erfolg heran.

Wer wagt gewinnt

DSC_0036Anfängerfehler Nummer drei soll angeblich die mangelnde Bildkomposition sein. Wie oft ich in Facebook Gruppen lesen muss: „Halte dich an den goldenen Schnitt“. oder: „Oh, du hast dem Modell die Hand abgeschnitten. Das tat ihr sicherlich weh!“ Meistens noch mit einem zwinkerndem Smiley dahinter. Anfänger sind davon sicherlich abgeschreckt und ich denke mir nur meinen Teil.

Lassen Sie uns einen Blick in die Vergangenheit werfen. Als die ersten Digitalen Spiegelreflexkameras auf der Bildfläche erschienen und neue, junge Leute die Fotografie für sich entdeckten, kam viel frischer Wind in dieses alte Handwerk. Gerade weil nicht immer das Typische, gesetzmäßige angewandt wurde. Das Motto liegt hier ganz klar bei: „Think outside the box“.
Ich kenne keinen Fotografen der sich vor zwanzig Jahren beim Fotografen einer hübschen Frau auf den Boden gelegt hat. Die nächste Generation tat dies jedoch und sorgte genau mit solchen Aktionen für erfrischende Perspektiven und Bildkompositionen. Mein Tipp – Spielen Sie mit den Perspektiven. Egal ob Einsteiger oder Profi.

Vollgepackt mit tollen Sachen

Anfänger sollen angeblich zu viele Aufnahmen auf der Festplatten lagern und alles damit zu müllen. Ich habe damit ganz andere Erfahrungen gemacht. Hier scheint es allerdings bereits zwei Lager zu geben. Das Erste speichert alle Bilder nach aussortieren des Auswurfs. Das Zweite Lager speichert nur die erlesene Auswahl der absolut besten Bilder. Ich gehöre jedenfalls zum ersten Lager und habe die Erfahrung gemacht, dass besonders Bilder von Personen über die Zeit an Bedeutung gewinnen. Sie es nur um zu schauen wie ein Shooting damals im vergleich zu heute war oder ob das Modell noch einige Bilder von dem Shooting wünscht. Ich finde daran nichts schlimmes. Außer sich eventuell Gedanken über ein organisiertes Archivierungssystem zu machen.

Anfänger und die Bildbearbeitung

DSC_0174Angeblich soll man sich als Anfänger outen wenn man Bilder gern bearbeitet. Gelesen habe ich davon, dass Einsteiger es gerne mal übertreiben. Für mich ist das realitätsfern. Bei solch abstrusen Vorurteilen würde ich gerne mal eine Umfrage starten wie viele Anfänger überhaupt ihre Fotos mit beispielsweise Photoshop bearbeiten. Ich persönlich denke, dass es prozentual gesehen nicht sonderlich viele sind. Falls jedoch ein Effekt-Filter aus der Kamera direkt ist könnte es jedoch anders aussehen. Ob diese Filter nun tatsächlich häufiger von Anfängern verwendet werden kann ich nicht genau sagen. Das ist im Endeffekt auch egal, denn wenn man der Meinung ist man möchte so einen Filter verwenden, dann soll man das auch tun. Ganz gleich ob Anfänger oder Profi.

Abschließen kann man noch einmal den Begriff HDR in den Raum werfen. Jeder Fotograf hat bereits mindestens ein Mal versucht eine HDR Aufnahme zu erstellen. Mal etwas kräftiger und mal etwas weniger intensiv. Sagen Sie mir jetzt mal was schlecht daran sein soll. Denn genau darum geht es doch bei der Fotografie. Man will kreativ sein und alle Möglichkeiten ausprobieren.

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